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Reblaus

2009 bis 2011

Blitzentladungen sind faszinierende aber auch ehrfurchtgebietende Naturschauspiele. Zehn- bis fünfzigtausend Wolke-Erde-Entladungen werden jedes Jahr in Südostoberbayern und Land Salzburg aufgezeichnet. Dies entspricht im langjährigen Schnitt etwa zwei jährlichen Blitzen pro Quadratkilometer. Entsprechend groß ist auch das Schadensausmaß: Experten schätzen allein den Schaden an elektrischen Geräten in Österreich auf einen mehrstelligen Millionenbetrag, Tendenz steigend. Hinzu kommen Brände und nicht zuletzt Personenschäden. Mit der Zunahme von Extremwetterereignissen durch den Klimawandel wird in Zukunft mit höheren Risiken für Infrastruktur, Gebäude und Versorgungssicherheit zu rechnen sein. Daher ist es dringend erforderlich, Grundlagen für ein proaktives Risikomanagement zur Unterstützung planerischer Entscheidungen zu entwickeln und die Kenntnis zu Naturgefahren zu verdichten. Forschungsbedarf besteht insbesondere bei kleinräumigem und damit bevölkerungs- und planungsrelevantem Wissen: Wie hängt die Blitzschlaghäufigkeit mit der Geländeform, der Landbedeckung oder der Hauptwetterlage zusammen? Wie stark sind heutige oder zukünftige Siedlungsflächen von Gewitter und Blitzschlag gefährdet? Lassen sich Schadensprognosen erstellen? Wie kann die Bevölkerung für Blitz- und Unwetterrisiko sensibilisiert werden? Das grenzübergreifende Interreg IV A Projekt Regionalisierte Blitzauswertung (kurz: Reblaus) wird zu diesem wichtigen Themenfeld im Raum Südostoberbayern – Land Salzburg aktiv.

Übergeordnetes Projektziel ist die grenzüberschreitende Betrachtung von Blitzschlaggefahren und Risiken mit einem prototypischen integrativen Ansatz, der verschiedenste Sachgebiete, Daten und Wissensquellen verknüpft. Dies wird am Beispiel der erstmaligen systematischen regionalisierten Auswertung von mehr als 1 Mio. Wolke-Erde-Blitzen des Zeitraums 1998–2009 in einem 200 x 200 km großen Untersuchungsraum in Zusammenarbeit mit Wissensträgern aus Bayern und Salzburg sowie nationalen und regionalen Behörden umgesetzt:
- Integrativer Pilotansatz zum grenzüberschreitenden Umgang mit Risiko und Naturgefahren
- Vernetzung unterschiedlichster risikorelevanter Sachgebiete und ihrer Akteure (Gefahrenmanagement, Prävention, Raumplanung, Standortplanung, alpine Topographie, Infrastruktur)
- Grenzübergreifendes Angebot an neuen Daten, Darstellungs- und Auswertesystemen zur Blitzgefährdung (Gefahrenhinweiskarten, Risikomodelle, raumbezogene Indikatoren)
- Verbesserte Vorbeugung durch grenzüberschreitende Kooperation und begleitende Öffentlichkeitsarbeit

In diesem Pilotprojekt zum grenzüberschreitenden Umgang mit Risiko und Naturgefahren wird ein neuartiger integrativer Ansatz erarbeitet, der Gefahrenmanagement und Prävention, Raum- und Standortplanung sowie alpine Topographie und Infrastruktur mit Hilfe Geographischer Informationssysteme (GIS) vernetzt betrachtet. Die in Kooperation mit Fachexperten erarbeiteten Ergebnisse sind nicht nur wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn sondern auch konkrete regionalisierte Planungsgrundlagen für Fachbehörden, Risikomanagement, Prävention, Zivilschutz, Versicherungswirtschaft und Bürger.

Die im Projekt Reblaus erarbeiteten Ergebnisse erweitern die Kenntnis zur regionalen Gefährdung durch Blitzschlag und damit auch verwandten Risiken wie Unwetter und Hagel. Die entwickelten, oft räumlich expliziten Planungsgrundlagen ermöglichen es, das Blitzrisiko großräumig in Standortbewertungen, Regionalplanungen und der Risikovorsorge mitzuberücksichtigen. Auch besonders gefährdete oder sensible Einrichtungen (bspw. kritische Infrastrukturen oder Windkraftanlagen) lassen sich dadurch in der Standort- und Risikoanalyse besser beurteilen. Zusammen mit der im Projekt durchgeführten Sensibilisierung der Öffentlichkeit (Verhaltensregeln) wird damit ein wesentlicher Beitrag zur verbesserten Vorbeugung von Schäden und zum Schutz von Personen geleistet:
- Aufbereitung von Schutzprinzipien für Personen, Gebäude und Energieversorgung
- Entwicklung von Verfahren zur Blitzdichteschätzung als Grundlage für kleinräumige Auswertungen und Kartendarstellungen
- Indikatoren zur Analyse von Zusammenhängen des Blitzaufkommens mit Topographie, Klima/Wetter, Siedlungsstruktur und Blitzschäden für die Beurteilung räumlicher Verteilungsmuster mit Hilfe geographischer Informationssysteme
- Kartographische Produkte zur regionalen Blitzgefahr (verschiedene Gefahrenhinweiskarten), interaktiver Kartendienst
- Modell zur Wirkung von Blitzeinschlägen auf die Stromversorgung sowie zur Abschätzung von Blitzschadenskosten, Prototyp zur großräumigen Abschätzung der gebäudebezogenen Blitzgefährdung
- Kennzahlen zum Wissensstand der Bevölkerung bezüglich Gewitter und Verhaltensregeln für zielgerichtete Maßnahmen der Bewusstseinsbildung
- Grenzübergreifende Vernetzung planungsrelevanter Akteure, Wissenstransfer durch laufende Abstimmung mit Fachbehörden und begleitende Öffentlichkeitsarbeit (Bayerisch-Salzburger Blitzschutztag)

Weitere Fördergeber sind der Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) , das Bundesministerium für Land- und Fortswirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW), das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit (StMUG), das Magistrat der Stadt Salzburg, das Amt der Salzburger Landesregierung und die EuRegio Salzburg - Berchtesgadener Land - Traunstein.

Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung, Europäische Territoriale Zusammenarbeit 2007-2013, Interreg IV A
Mag. Wolfgang Spitzer
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